DAS KURZE SCHWEBEN 2002

Duratrans-Dias 80 x 60cm
zwischen Plexiglas/Dia sec

Ein Sprung, der kurze Moment zwischen unten und oben ist der Ausgangspunkt.
Unbekleidete Menschen – auch ich selber – wurden von mir mitten in der Natur oder völlig losgelöst vor weißem Grund beim Springen, fast in der Luft stehend oder beim Landen fotografiert.

Energie , Zufall, Intuition und Kampf gegen die Schwerkraft kommen zur Symbiose, Bilder von Menschen in den unsicheren Gewichtszuständen entstehen.

Allen gemeinsam ist der kurze Moment der Schwerelosigkeit, und die Konzentration, die die bevorstehende Landung von ihnen fordert.
Die so entstandenen Fotos werden als 60 x 80 cm große Duratrans-Dias gezeigt, die (wie die Teile eines Mobiles) nur an einem Punkt aufgehängt sind . Die halbtransparente Bilder schweben und drehen sich frei im Raum, der Ausstellungbesucher kann sich zwischen Ihnen bewegen.

CONNECTING FLIGHTS

Die Serie DAS KURZE SCHWEBEN von Sebastian Kusenberg evoziert bestimmte Bilder, die es im westlichen Kulturerbe in Fülle gibt: Bilder vom Fliegen.

Diese Bilder sind oft Anzeichen eines Paktes – eine Art geheimer Verbindung – zwischen der Illusion und dem Akt des Fliegens. Illusionen sind Erscheinungen, und Erscheinungen sind in der westlichen Kultur schwerelos oder in der christlichen Überlieferung Engel, explizit fliegende Wesen.

In diesem Kontext sind die Fotografien von Sebastian Kusenberg verblüffend säkular. Das „Fliegen“ ist hier eher maßvoll und unspektakulär. Der Künstler hat sich selbst oder Freunde und Bekannte im Sprung, mitten in der Luft in verschiedenen Stadien des Steigens oder Fallens fotografiert. Keiner kommt der Sonne zu nahe. Nach einer Himmelfahrt wie Gabriel sieht keiner aus, noch nicht mal wie Clark Kent .

Es sind Bilder des Fliegens aus einer säkularen Welt heraus und mit einem Pathos und sanfter Komik, die man von dieser Welt kennt.

Eine Aufnahme zeigt, wie eine Frau teilweise verkehrt herum landet.. Es gibt eine merkwürdige Langsamkeit in diesem Bild, als ob Luft die Dichte von Wasser angenommen hätte. Die Frau scheint ganz in sich gekehrt zu sein wie in einem Wachtraum. Ist dieser Moment eine Art sanfter Landung nach einem langen träumerischen Flug durch nächtliche Himmel? Oder, noch sonderbarer, das Emporschweben einer schlafenden Figur, mit den Füßen nach oben wie angesaugt, hin zu einer Traumzone über uns?

Das englische Wort „strange“ ist verwandt mit dem französischen Begriff „être ange“ (ein Engel sein), eine bemerkenswerte poetische Etymologie, in der sich die Verbindung zwischen dem Ungewöhn-lichen und dem Akt des Fliegens offenbart.

Auszüge aus einem Text von Tom Nicholson, 2002



"Das kurze Schweben", (c) Jörg Bookmeyer, 2003