WERKSERIE: EXPERIMENTELLE ARBEITEN

JAHR: SEIT 1996

In den Fotos wohnt eine strukturlose Ungewißheit, die demjenigen Angst machen kann, der hauptsächlich auf Gewißheiten aus ist. Man meint, froh sein zu können, dass es Fotos sind, stillgelegte Augenblicke, an denen man sich festhalten kann. Aber der Fotograf ist weiter. In Langzeitbelichtungen etwa, die in einer klassischen Plattenkamera entstehen, öffnet sich der fotografierte Moment in einen Verlauf, in die Nebelströme verwischter Bewegungen, in neue Zwischenräume zwischen den gängigen Dimensionen. Es sind Tauchgänge in die unerkundeten Gründe eines Bilds, und: in die Tiefen einen Bilds, das man von sich selbst hat. Sebastian Kusenberg möchte wissen, was da eigentlich ist in dieser einen Minute, in der das Foto so tut, als wäre es ein Film. Und wer er da eigentlich ist.
Frei nach Einstein krümmt sich der Raum vor Lachen bei unseren Bemühungen, sein Geheimnis zu ergründen. Und auch das beherrscht der Fotograf, nämlich auf diese Art von Heiterkeit in lakonischen Bildern zu antworten, die wie ein Lächeln sind, das man nicht sehen kann, nur spüren.

– Peter Glaser, „Weitere Welten“, in: Pictures Inside Me, Kehrer Verlag, 2015