WERKSERIE: PICTURES INSIDE ME

TEILSERIE: DOPPELBELICHTUNGEN

JAHR: 1986–1988

BUCH: PICTURES INSIDE ME, KEHRER VERLAG


In diesen Bildern hebt die Einsicht wieder das Haupt, dass die Welt noch lange nicht entdeckt ist, weder die äußere noch die innere. „Alle wissen immer schon alles“, beschreibt Kusenberg die gläsernen Sphären, in die viele sich einschließen und trotzdem meinen, sie wären offen für Neues.
Das Neue nährt die Hoffnung auf etwas, das noch keine Geschichte hat und noch nicht mit dieser Welt in Berührung gekommen ist. Dieses Neue kommt in dieser Fotografie unspektakulär und unabweisbar zum Ausdruck. Es biedert sich nicht an, es lärmt nicht, es ist erarbeitet worden und da.
Da ist auch noch ein polygamer Reiz, denn das wirklich Neue erwartet eine Bereitschaft, dem Hergebrachten untreu zu werden. Es kann eine tiefe Erfrischung für erschöpfte Begriffe bedeuten; erst einmal gehen sie aber ins Leere. Surreal. Kontemplativ. Paradox. Manchmal ein Aberwitz, der leise und lebendig zu vernehmen ist. Man schießt Hilfspfeile aus dem Kategorienköcher, um das unbenannte Unbekannte, das sich in diesen Fotos so klar zeigt, begrifflich zu erjagen. „Literatur bedeutet, die noch nicht vom Sinn besetzten Orte ausfindig machen“, schreibt Peter Handke – bei Kusenberg gilt das der Fotografie.
Von Handke gibt es übrigens auch einen Roman, in dem kein einziger Kausalsatz vorkommt.
Mit ähnlich sorgfältigen, unauffällig wirksamen Methoden wendet sich auch Kusenberg gegen den Ursachen- und Begründungswahn unserer Epoche und erzeugt eine rätselhaft befreite Atmosphäre.

– Peter Glaser, „Weitere Welten“, in: Pictures Inside Me, Kehrer Verlag, 2015