BORN – Das lange Schweben 2006

Ultrachrome Prints 144 x 105 cm
oder 42 x 30 cm (Atelierwand)

So unerbittlich kann die Schwerkraft nicht sein, dass der Mensch in Bewegung ihr nicht mit Leichtigkeit und Eleganz zu entfliehen vermag – wenigstens hier: Auf großformatigen Farbfotografien fliegen nackte Menschenkörper in einer unsichtbaren Horizontalen: scheinbar weich gebettet, mit geschlossenen Augen, Arme und Beine, Füße und Hände wohlig ausgestreckt oder tänzerisch gebogen zu Schwebefiguren zwischen Trance und Akrobatik.

Die Bild-Illusion verleugnet ihre Konstruiertheit nicht, sie ist Teil des visuellen Konzepts.

Real vorhanden, aber auf den Fotografien nicht sichtbar, ist eine kleine Liegefläche, auf dem die Modelle ihr Rückgrat stützen, während sie ihren individuellen Schwebezustand suchen.

Der Preis dafür, die Aufbietung großer Muskelkraft, ist aufgehoben in einer Anmut sorgsam austarierter Ruhe. Aber eben nur scheinbar.

„Born“ spielt an auf die Menschwerdung im Mutterleib, unerklärbare Epiphanien, Momente von Transzendenz. Der Mensch, nach Heidegger in die Welt „geworfen“, ist es auch auf diesen mit leiser Komik inszenierten Fotografien. Aber er findet im „langen Schweben“ etwas, was ihn hält und ihm ganz allein gehört.

Dr.Jürgen Bräunlein, 2007

 

 

 

 



"Born", 2006